Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

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m1Großes Mühlsturzhorn - Südkante
Verfasser: Volker Roßberg

Im Anschluss an die DAV Hauptversammlung 2005 in Berchtesgaden hatten Thomas Kostial und ich (Volker Roßberg) vor,  noch eine schöne Klettertour zu unternehmen.
Die Wettervorhersage versprach bestes Bergwetter und so wurde nach dem Wälzen von Kletterführern und Zeitschriften, sowie Recherche im Internet, die Südkante (alter Weg) am großen Mühlsturzhorn für den alpinen Jahresabschluss auserkoren.

m2Talort und Ausgangspunkt: Hintersee bei Ramsau, Parkplatz am Alpenhof 

Anforderungen: VII- (Passage), Stellen V+ und VI-, häufig IV bis V selten leichter (V/A0-A1)
12 Seillängen, Kletterlänge 380m, lt. Führer ca. 4 – 6 Stunden 

Der Zustieg:
Vom Parkplatz am Alpenhof geht man den Fahrweg oder den Wanderweg durch die Grundübelau hinauf, bis kurz nach der Nationalpark – Informationsstelle, der Schaflsteig steil nach Norden (rechts) hinaufzieht. Bis hierher ca. 50 min. Den Schaflsteig hinauf, bis man nach ca. 1 ¾ Stunden unter den Abstürzen der Mühlsturzhorn – Südwand nach Osten (rechts), zu einer großen Einbuchtung, links des pfeilerartigen Fußes der Kante quert. Etwa 6m rechts einer Gedenktafel, am Fuß einer Rissverschneidung, befindet sich der Einstieg. 

Die Route:
Es empfiehlt sich ein Topo bzw. den Kletterführer mitzunehmen. Im oberen Teil der Route ist die Linienführung etwas unübersichtlich. Die Führe verläuft mehr oder weniger rechts der eigentlichen Südkante und endet auf einem Pfeilerkopf, ca. ½ Kletterstunde vom Hauptgipfel entfernt. 

Abstieg:
Absteigen und abseilen durch die Südkamine. Hier ist auch nach der zweiten Abseillänge das Wandbuch zu finden. Auf der gesamten Strecke sehr vorsichtig agieren, da viel loses Material vorhanden ist. 

Absicherung:
An den schwierigen Stellen befinden sich Bohrhaken, Die Stände sind allesamt gebohrt und es stecken reichlich mehr oder weniger vertrauenswürdige Haken. Einige Möglichkeiten für Schlingen, Klemmkeile, Friends und Hexcentrics gibt es ebenfalls. Die Abseilpiste ist mit Karabinern bzw. großen Abseilringen eingerichtet.

Unsere Bewertung:
Eine sehr schöne Bergfahrt, auf einen schönen Gipfel, mit großartigen Tief- und Weitblicken. Die Hauptschwierigkeiten in der 6. und 7. Seillänge sind gut gesichert, auch wenn man nicht unbedingt jedem steckenden Haken vertrauen sollte. Konditionell sollte man auf der Höhe sein. 2 ¾  Stunden Zustieg, 5 Stunden Klettern, 2 ½ Stunden abseilen und 2 ¼  Stunden zurück zum Parkplatz gehen schon an die Reserven.

Karte:
Kompass Wander- und Radtourenkarte Nr. 794 „Berchtesgadener Land“

Literatur:
Alpenvereinsführer „Berchtesgadener Alpen“ H.Schönhauser / B.Kühnhauser       
Bergverlag Rudolf Rother – München, ISBN 3-7633-1127-0 

Unser Team am 30.10.2005: Thomas Kostial und Volker Roßberg

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Noch ein wenig müde begannen wir den langen und steilen Aufstieg zum Wandfuß des großen Mühlsturzhorns. Die Kälte und ein phantastisch klarer Sternenhimmel vertrieben die Müdigkeit aber schnell. Auch dauerte es nicht lange bis wir auf Betriebstemperatur waren. Schnaufend und schwitzend konnten wir auf dem Schaflsteig einen herrlichen Sonnenaufgang genießen, welcher unsere Südwandroute in ein weiches Licht tauchte.

Am Einstieg wurde alles Unnötige ausgepackt. Nur das Klettermaterial, Jacke, Fotoausrüstung, Müsliriegel und zwei Liter Wasser gingen mit auf die Tour, welche mit einer sehr schönen V+ Rissverschneidung begann. Durch das traumwandlerisch sichere Vorsteigen von Thomas legte sich auch meine innere Unruhe recht schnell, brachte auch mir mehr Sicherheit bei der Fortbewegung in der sonnenwarmen Wand, reichlich 1.000m über dem Talboden.
Die Gämsen unter uns im Kar störten wir mit unserem Treiben auch nicht und so waren schnell auch die nächsten zwei Seillängen in griffigem und festem Gestein vollbracht, bevor Nummer 4 und 5 durch grasiges und brösligeres IV-er Gelände, unter die Dächer in Wandmitte führen. Hier gab es auch mal eine Schrecksekunde, als mir im Nachstieg ein recht großes Köpfel wegbrach, welches Thomas im Vorstieg noch mit einer Zackenschlinge versehen hatte. Eine Schramme und eine Blutblase waren die leichte Folge, gottlob war keine Seilschaft unter uns unterwegs.

Die sechste Seillänge ist eine Querung auf einer Platte und mit VI (V/A0) bewertet. Thomas kletterte problemlos frei hinüber, während ich erste Erfahrungen mit technischer Kletterei sammeln konnte. Die siebente und zugleich Schlüsselseillänge war dann noch einen Tick härter. Ein Überhang im Grad VII- (V/A0-A1), und das bei gut 200 m Luft unterm Hintern,  verlangte auch von Thomas etwas mehr Anstrengung. Mir reichte schon die „technische Variante“, um gehörig ins Schwitzen zu kommen. Die folgenden 3 Seillängen empfand ich danach regelrecht entspannend, obwohl eine V mit viel Reibung auch nicht gerade das ist, was mir sehr behagt.


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Nach der 8. Seillänge legten wir eine größere (Mittags-) Pause ein. Die Sonne hatte uns ganz gut ausgedörrt und bei Wasser und Müsli konnten wir in Ruhe die Aussicht genießen. Am Standplatz der 9. Seillänge klickten dann nochmals ausgiebig die Fotoapparate, denn nun, nicht mehr weit vom Ausstieg entfernt, wurde das Gipfelpanorama immer besser. Eine Aussicht bis zum Großglockner hat man nicht alle Tage. Die elfte und leichteste Seillänge ist eine 45m Querung von Platten im Grad III. Eigentlich nichts Schwieriges, nur eben gut 300 m über Grund sieht man so etwas mit anderen Augen. Thomas störte das wenig, auch dass nur ein Normalhaken auf halbem Wege zu erkennen war, ließ ihn kalt. Ich empfand das Ganze dagegen eher unangenehm. Die zwölfte Seillänge ist dann noch eine Kaminkletterei mit einem Klemmblock am Ausstieg. Hier konnte Thomas auch den einzigen Klemmkeil dieser Tour, diesen aber mustergültig, unterbringen. 

10Am Ausstieg gab es dann wieder eine Fotosession und unsere Essens- und Getränkevorräte wurden aufgebraucht. Ein paar Bergdohlen halfen uns dabei auch tatkräftig. Leider reichte uns die Zeit nicht, um zum Hauptgipfel weiter zu steigen. Laut Führer ca. ½ Stunde im III. Grad, dies kann man aber nur machen, wenn die Tage etwas länger sind als eben am 30. Oktober. Der Abstieg wurde durch die Abseilpiste in den Südkaminen bewältigt. Die Abseilösen sind nicht unbedingt leicht zu finden, da wir uns aber mit einer Seilschaft mit Ortskenntnis aus Schneizlreuth zusammentaten, welche die direkte Südkante geklettert war, ging es erstens recht zügig und zweitens brauchten wir nicht lange suchen. So konnten wir uns noch schön unter der Südwand, in der warmen Abendsonne ausruhen, bevor es stramm wieder in das schon halbdunkle Tal hinab ging.

Unsere Route wurde übrigens 1930 von zwei Herren namens Huber und Mittlerer erstbegangen. Wir haben uns mehrfach gefragt, wie das damals vonstatten ging. Keine Reibungskletterschuhe, kein Zwillingsseil, keine Bohrhaken….??? Wir ziehen den Hut ganz tief vor der damaligen Leistung!

 

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