Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

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ak01Alpenkletterkurs 2005
Verfasser: Sven Wegener
Alpinkletterkurs mit Thomas Huber und Hubert Nagl in der Blaueishütte (6.6.-12.6.2005) oder
"...morgen wird schönes Wetter!"

Montag, 6.6.2005
Es war ein guter Nachmittag für einen Hüttenaufstieg, als sich die 10 Teilnehmer des Alpinkletterkurses auf dem Parkplatz in Ramsau bei Berchtesgaden trafen. Der Himmel zeichnete sich heiter bis wolkig und die Temperaturen lagen bei milden 18 °C. Zu jenem Zeitpunkt war die Schönheit dieser Wetterlage jedoch noch keinem bewusst und wurde kommentarlos hingenommen.
Im Vorfeld der Anreise sorgte eine kompetente Automobilfachwerkstatt für heiße Minuten am Telefon:

Dirks Großraumreiselimousine wartete in der Vorwoche mit einer defekten Achse auf, was man fachmännisch feststellte und nach sorgfältiger Demontage ebenso gewissenhaft in den alten, defekten Zustand zurückbrachte. Erst durch ein energisches Intervenieren Dirks, vor dem Hintergrund seines Ehrenwortes, 6 Personen befördern zu können, ist der Werkstatt die dringliche Notwendigkeit der Instandsetzung des Fahrzeuges bewusst gemacht worden. Aber auch die Dolchesspitze im Nacken des Werkstattleiters half wohl nichts gegen die Falschbestellung der Ersatzteile. Und da war er entstanden, der sprichwörtliche 6. Mann im Passat-Leihwagen! David war jener Auserkorener. Ihm war es nun vergönnt schon am Sonntag mit Ronny Richtung München zu reisen und dort so manche Abenteuer in der bayrischen Großmetropole zu erleben.

Pünktlich gegen 16 Uhr traten wir den Aufstieg an. Voller Vorfreude sattelten wir unsere Rucksäcke und wandten uns jenem stetig ansteigenden Fahrweg zu, an dem das Schild 'Blaueishütte 2 ½ h' stand.

ak02Einigen mag es wohl schon vorher einmal durch den Kopf gegangen sein, das man sich mal wieder als Flachlandtiroler in den Alpen befindet und mit Sicherheit einiges falsch macht, dass ein richtiger Bayer schon in die Wiege gelegt bekommt. Fasst allen ist dieser Punkt schon nach den ersten 300m bewusster geworden, als man anfing den Inhalt im mitgeführten Rucksack auf seine Notwendigkeit zu prüfen um spätestens bei der ersten Pause die Erkenntnis zu finden, das ein Drittel des Inhaltes total überflüssig und ein weiteres Drittel sicherlich 'leichter' zu organisieren gewesen wäre. So waren es nicht gerade wenige neidische Blicke, die Carmens 11kg Daypack trafen. Man gönnte Ihr diesen jedoch, da sie durch Ihren starken Husten Mitleidsgefühle auslöste, die tätliche Angriffe zum Glück verhinderten.
Der Aufstieg war hart und für alle ungewohnt. Tape und Blasenpflaster fanden bald ihre Anwendung. An der Schärtenalm rasteten wir für eine längere Pause und sammelten noch einmal Kräfte für das letzte Drittel des Weges.

Keiner weis wie, aber nach so ziemlich exakt 2 ½ Stunden kam für die ersten Aufsteiger die Blaueishütte in Sicht und so war die Verwunderung groß, als uns bewusst wurde, dass wir einmal mehr mit preußischer Zähheit die ebensolche Pünktlichkeit forcierten.
ak03In der Hütte empfingen uns gleich mit freudigem Handschlag Thomas Huber und Hubert Nagl, unsere beiden Bergführer und Ausbilder in den kommenden 5 Tagen.
Nachdem die Betten, einmal 7 und einmal 3, aufgeteilt waren und wir zum ersten Mal die kulinarische Besonderheit der Hütte, nämlich das reichhaltige Abendessen, genießen konnten kamen wir alle an einem Tisch zusammen, um der Schüchternheit ein Ende zu setzen. Thomas und Hubert stellten sich eingehend vor und gaben einen kleinen Ausblick auf die kommenden Tage. Auch jeder einzelne von uns durfte sich nun vorstellen und seine Erwartungen an den Kurs formulieren.

Bald waren Themen gefunden, die den restlichen Abend ausfüllten und ihn kurzweilig gestalteten.
Auch kleine Freuden, wie die gefunden 2m² auf denen es Handyempfang gab oder das mit einer Duschmarke 6 Mann duschen können brachten dem Rest das Abends noch kleine Höhepunkte bevor sich alle voller Erwartung um 22 Uhr, zur allgemeinen Hüttenruhe, in ihre Betten begaben.

ak04Dienstag, 7.6.2005
Wer war es?! Wer störte die so dringend benötigte Nachtruhe einiger leicht schlafender Teilnehmer? ? In einer Hütte wird es wohl nie ausbleiben, dass man als schnarchender Wanderer die netten Blicke am frühen Morgen im Bettenlager vermisst.
Ein weiterer Grund für getrübten Tatendrang stellte die Wetterlage dar: 5°C und Schneeregen waren vor der Nebelwand auszumachen. Etwas tröstend war dann die Aussage der Hüttenwirtin, dass es morgen besseres Wetter geben wird.
Im Gastraum wurden am Vormittag die ersten grundlegenden Kenntnisse im Einbinden, Standbau und Nachsichern und mindestens "37" neue Knoten vermittelt, bevor es um ca. 13 Uhr raus an die frische, nasskalte Luft ging.

Gehen im Gelände hieß die erste Lektion, die wir erhielten. Vom gehen über Geröll und Fels steigerte sich diese, so scheinbar leichte Übung bis hin zum erstürmen kleiner Quaken auf 2cm Leisten und Schnellabstieg durch Geröllfelder und Felswege.

Das Highlight an jenem Vormittag war das Verhalten auf Schneefeldern und wie der Notgriff beim Abrutschen auf einem Schneefeld funktioniert. Hierbei konnte sich das kindliche Gemüt eines jeden gehen lassen: auf dem Po den Hang runter, Kopfüber und geschupst von den anderen ? ?A moards Gaudi?, die scheinbar viel zu schnell vorbei war.

ak05Nach einer kurzen Kaffeepause, die hauptsächlich dem Aufwärmen diente, ging es dann endlich ans Seil. Es wurden, wie in den folgenden Tagen auch, zwei Gruppen mit je einem Bergführer gebildet, die nun abwechselnd die Techniken des Abseilens mit kurzer Prusikschlinge und Legen von Klemmkeilen, Friends und Hexentrix gezeigt bekamen.
Was sich so profan anhört stellte sich aber als durchaus harte Übung heraus. Schuld hierfür war die geänderte Wetterlage. Schnee, Graupel und stärkerer Wind ließen uns alle diese Übungen in einer Situation erleben, die wir wohl freiwillig nie zugelassen hätten. Winkt man im heimischen Cottbus schon ab, wenn ein Kletterpartner bei leichtem Nieselregen den Gang zum Braschelfels vorschlägt, handelte es sich hier um eine Wetterlage, die man durchaus als frühwinterlich bezeichnen konnte, in der wir unserem geliebten Schönwetterhobby nachgingen. Nasse Seile, kalte Finger und die Kombination aus beidem waren neue Erfahrungen, die man bisher auf eine Zeit, irgendwann in den Anden oder im Himalaja verschoben hatte.
Es war willkommen, das Hefeweizen nach der warmen Dusche, das sich vor einigen auf dem Tisch befand. Gesprächsthema Nr.1 war natürlich die interessante Wetterlage und immer wieder der Vergleich zwischen sächsischer Kletterei und den Handhabungen und Bedingungen hier in den Alpen. Man freute sich auf den nächsten Tag, denn "..morgen wird schönes Wetter!"

ak06Mittwoch, 8.6.2005
Die Höhe, die kleinen Klettereinlagen und sicherlich der ein oder andere Enzian machten einem das Aufstehen an diesem Morgen schwer. Und nachdem sich wirklich jeder über die konstant schlechten Wetterlage, 2°C und Schneefall, selbst kundig gemacht hatte, war die Stimmung am Frühstückstisch im Keller angekommen.
In der geheizten Gaststube führten uns Hubert und Thomas in die Verstrickungen der höheren Seiltechniken ein. Bergungen von Verunglückten mittels Flaschenzug, loser Rolle oder gar aus tiefen Gletscherspalten wurden uns souverän, wie aus dem Schlafe, von den beiden Bergführern demonstriert. Nachdem wir selbst die Gelegenheit bekamen, den Gastraum mit Seilen abzusperren konnte eine Frage diesen Raum nicht verlassen: "Wer soll sich das denn alles merken?!?"

Ganz im Sinne des Grundgedanken des Kurses, trotzten wir den Witterungsbedingungen und verließen die schätzend, warme und sichere Behausung mit allem bekleidet, was in unseren Rucksäcken zu finden war.
Das Vermittelte Wissen vom Vormittag sollte praktisch angewandt werden. Ob es ein Zufall war, oder eine subtile Inszenierung von Hubert und Thomas, bleibt offen; Aber als Übungsgegenstand musste eine prächtige, leider moosfreie Quacke, herhalten. Gestürmt, Beseilt und Hochgeprusikt  nichts blieb ihr erspart. Erst die simulierte Bergung in Geltscherspalten zwang uns, unseren geliebten Spielplatz zu verlassen und gegen ein windiges Schneefeld einzutauschen.

Anscheinend inspirierte der stundenlange Schneefall unsere Bergführer dazu, uns gegen 15 Uhr eine sommerliche Winterbegehung der Schärtenspitze als Zeitvertreib bis zum Abendessen vorzuschlagen: Nachdem wir die ersten 100 Höhenmeter im Windschatten des Berges hinter uns hatten, empfingen uns kräftige, Graupel mit sich bringende Sturmböen, die die gefühlte Temperatur deutlich auf unter 0°C bringen. Immer wieder verloren unsere Stiefel die Haftung auf dem eisigen Untergrund. In einigen Schneeverwehungen versanken selbst unsere leichtgewichtigen Teilnehmer bis zu den Knien. Theorien der globalen Klimaerwärmung kamen uns in jenem Augenblick surreal vor, hatten wir doch den 8.6.2005.

ak07Auf dem Gipfel bot sich ein Bild, dass selten war: freier Blick ins Tal. Alpendohlen begrüßten uns, und in jedem Gesicht war das Abenteuer geschrieben, dass wir hinter uns hatten. Glücklich und stolz über das Vollbrachte schrieben sich alle in das Gipfelbuch ein.

Beim dreigängigen Abendessen war sie wieder da, die optimistische Stimmung; Kein Wetter konnte uns an unseren Vorhaben hindern. Die Motivation war eben so hoch, wie die Stimmung tief am Morgen des selbigen Tages. Trotz des "schlechten" Wetters hatte der Tag sein Highlight. Es war nicht der Gipfel, der bezwungen wurde, sondern die Erfahrung, dass das Wetter die Sache nicht einfacher macht, aber der Wille und die Gemeinschaft auch diesen Widrigkeiten trotzen kann.
Dennoch waren es die Worten der Wirtin, die uns hoffen ließen: "Morgen wird das Wetter besser?

Donnerstag, 9.6.2005
Es ist Bergfest und das Wetter zeigt sich wie in den vergangenen Tagen: Neuschnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Erste Erkältungserscheinungen machen sich breit. Langsam zehrt das Wetter an den Kräften aller Teilnehmer.
So ist es den "angeschlagenen" Teilnehmern willkommen, dass wir den Vormittag mit Theorie zur Kartenkunde und Orientierung im gut geheizten Gastraum verbringen. Jeder hat sich schon seit Jahren seine eignen Art angeeignet, sich auf Bergtouren zu orientieren, doch auch hier konnten wir wieder viel lernen und etliches Neues mitnehmen.
Als wir dann nach dem Mittag wieder aufbrechen, ist sie wieder da: Die Motivation und Begeisterung vom Vorabend. Gleich linker Hand der Hütte sollen die Gruppen Übungen zum Standbau und Klettern in 2er- und 3er-Seilschaft absolvieren. Die Kletterübungen beziehen sich auf das Sichern, Nachholen und Abseilen. Klamme Hände, eisiger Wind und nasse Seil, die beim Durchlaufen der Abseilacht ausgewrungen werden und das Wasser ins Gesicht spritzen und in die Ärmel laufen lässt sind zusätzliche Erfahrungen, die bei dieser Übung gesammelt werden. Trotzig wird aber so lange geprobt, bis jeder alle Handgriffe für sich automatisiert hat.
Bei den Standbauübungen war Kreativität gefragt. Mit den begrenzten Mittel, die man von Thomas zugewiesen bekam sollte man einige sichere Stände bauen. Es war ein gängiger Fehler, zu viel Material zu verbauen. Thomas widersprach nie dem Einwand, dass man auf "Nummer sicher" gehen wolle, jedoch gab er zu bedenken, dass man nie weiß, was einen am nächsten Standplatz erwarten wird und welches Material man dort benötigt.
Der Abend klang wieder mit vielen Fragen an die Bergführer, dem ein oder anderen Enzian und dem üblichen Gemunkel über das morgige Wetter aus.
ak08Freitag, 10.6.2005
Da war es, das Tauwetter! Das Barometer zeigte Luftdruckänderungen an und der fallende Schnee blieb nicht liegen. Es drang jeden nach draußen. So "gutes" Wetter hatten wir Jahrhunderte nicht mehr gesehen.

Kurze Zeit nach dem Verlassen des Frühstücktisches waren dann auch schon 10 Flachländer und Begleitung zwischen den zahlreichen Felsbrocken, die um die Hütte herum liegen, verschwunden. Hubert führte uns zu zwei Quacken, die mit Bohrhaken versehen waren. Bergstiefel aus und Kletterschuhe an, hieß es jetzt endlich. Um ein Gefühl für den Fels zu bekommen umkletterten wir ein paar Felsbrocken, bevor wir uns dann einigern Bouldern zuwandten. Vom III. bis zum VII. Grad UIAA war alles dabei. Großes Staunen bei den Bergführern rief die Barfuß-Bezwingung eines VIIer - Risses durch Jan hervor. Hubert versicherte noch Stunden danach, dass er "Sowas" noch nie gesehen hat.
Nachdem das Leuchten in den Augen wieder hergestellt war hieß es dann voller Tatendrang am Nachmittag die erste Mehrseillängen-Route in Angriff zu nehmen. Es handelte sich um eine Variante des "Plattenweges", ein reine Reibungsroute im II./III Grad. Soweit es möglich war, wurde in 3er-Seilschaften geklettert. Die erste Seillänge war für einige die erste Erfahrung im Vorsteigen von längeren Routen. Wichtig war die korrekte Verständigung in den Seilschaften und natürlich die exakte Anwendung alles Erlerntem der letzten Tage.
ak09Es waren schon fast alle Seilschaften bei der 3. Seillänge angekommen, als es anfing zu schneien. Nach den Erfahrungen der Letzten Tage wurde dies von alle zunächst ignorierten. Erst als sich 15 Minuten später regelrechte kleine Bäche in ausgewaschenen Felsrinnen den Berg hinab flossen und auch der Letzte mindestens einmal auf dem nassen Fels weggerutscht war, wurde allen klar, dass wir die Route abbrechen mussten. So kehrten wir nach der 3. Seillänge um und beendeten einen schönen Tag, an dem wir endlich das machen konnten, weswegen wir angetreten waren: Klettern.
Samstag, 11.6.05
Was sich gestern ankündigte war heute vollbracht: 9°C und Niederschlagsfrei. Einem Tatenreichen Klettertag stand das Wetter also nicht mehr im Weg. Die letzten Aspirin- und Paracetamol- Vorräte wurden geplündert und der "Plattenweg" wurde erneut in Angriff genommen.
Es waren insgesamt 5 Seillängen bis zu einem längeren Gehweg, die ohne Probleme von allen durchstiegen wurden. Auf dem Gehweg nutzen Hubert und Thomas die Möglichkeit uns das Gehen am kurzen Seil zu demonstrieren. Hiernach kam noch eine Seillänge durch einen Kamin im IV. Grad. Demonstrativ bekamen wir die Steinschlaggefahren und Kommunikationsprobleme vor Augen geführt, als eine Seilschaft nach der ak10anderen den Kamin durchstieg. Nicht selten schallten Flüche und wilde Beschimpfungen den Vorsteigenden entgegen, wenn sie mal wieder ein Kieselchen losgetreten hatten, dass mit hoher Geschwindigkeit an den am Einstieg Wartenden vorbeischoss.
Gegen 12 Uhr waren wir am Ende der beabsichtigten Routen angekommen und machten uns auf Den Weg zu einem kleinen Klettergarten, wo Hubert vermutete, dass es möglich sein könnte noch einige Routen zu machen.
Dort angekommen stiegen wir in die "Logic Line" ein. Eine Route im III./IV. Grad, die von Hubert selbst erstbegangen und eingerichtet wurde. Auf den ersten beiden Seillängen hatten wir mit einem Rinnsal zu kämpfen, dass sich genau über den ersten Stand ergoss und den Einstieg in die 2. Seillänge erheblich erschwerte. Bei der dritten und letzten Seillänge ereignete sich ein kleiner tragischer Unfall:
Ein losgetretener Kiesel flog Nico ins Gesicht, nachdem er auf das vorgeschrieben Warnsignal den Kopf hob um zu sehen, wo der Stein entlang fällt. Das Resultat war eine Platzwunde unterhalb des linken Auges. Zum Glück gab es keine schwerwiegenderen Folgen und Nico konnte den letzten Abend des Kursen noch mit allen Anderen feiern.
Der letzte gemeinsame Abend fand leider ohne Hubert statt. Er stieg kurz nach unserem Eintreffen in der Blaueishütte und nach ausgiebigem Verabschieden ins Tal zu seiner Familie ab.
Alle Kursteilnehmer verbrachten den letzten Abend zünftig mit ortsüblichen Getränken, dem Resümieren und schmieden von zukünftigen Bergtouren.

Einstimmig waren alle Teilnehmer der Meinung, dass der Kurs ein Highlight des Jahres 2005 war und es unbedingt eine Fortsetzung und eine Wiederholung für andere Interessierte geben sollte.

Aktuelle Mitgliederzahl
Stand 27.07.2017

451

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