Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

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a1Alpiner Kletterkurs 2007
Eiin Bericht von Ronny Richter

Dies ist der Bericht über den Eiskurs 2007 des Klettersportvereins Quackensturm  auf der Oberwalder Hütte mit ordentlich Neuschnee, Sturm  und Nebel.  Es war Sonntag der 1.Juli und Carmen, Dirk, Thomas, Alex und Torsten  werden mit mir und unserem Bergführer Hubert für die nächsten Tage eine Bergkameradschaft bilden, die eigentlich „Großes“ geplant hatte.  Doch ich will noch nicht vorgreifen ...
01.07.2007  Wetter: sonnig, warm 15°C

Am Sonntag früh um 6:00 Uhr ging es erst mal los in Richtung Alpen. Ziel war das Glocknergebiet, mit der Pasterze, als größtem Gletscher Österreichs. Das Überqueren von Gletschern, insbesondere die Spaltenbergung sowie die Besteigung des mit 3798 m hohen Großglockner stand auf dem Ausbildungsprogramm. Doch es kam alles etwas anders.

14:30 Uhr trafen wir nach einer entspannten Autofahrt am Glocknerhaus ein. Je näher wir an die Alpen kamen und die ersten richtigen Berge sahen, desto größer wurde auch unsere Vorfreude auf die nächsten Tage. In unserem Auto war man sich bei jedem imposanten Berg an der Hochalpenstrasse sicher: „Das ist der Großglockner.“

a2 a3Nachdem dann auch die anderen Fahrgemeinschaften eintrafen, ging es 16:00 Uhr Richtung  Oberwalder Hütte. Der idyllische Hüttenzustieg liegt oberhalb der Pasterze und führt anfangs noch durch verschiedene Tunnel, welche für die Tagestouristen mit diversen  Exponaten verschlimmbessert wur-den. Später ging es gemütlich den Gamsgrubenweg entlang, an dem auch unweit des Weges Murmel-tiere gesichtet wurden. Manchmal rissen die Wolken auf und gaben den Blick zum Großglockner frei. Imposant, majestätisch und respekteinflößend steht er gegenüber der Pasterze.
Je höher wir kamen desto karger wurde auch die Landschaft. Anfangs noch sattes Almgrün mit vielen kleinen  Blüten, mussten  wir später schon erste kleinere Schneefelder überwinden.  2,5 Stunden und 850 Höhenmeter später erreichten wir schließlich die Oberwalder Hütte.

Persönlich hatte ich einige Probleme mit der Höheanpassung, da wir in 12 h fast 3000 m Höhenunter-schied bewältigt hatten. Alles beim Aufstieg geschah in Zeitlupe, nur der Puls und der Atem gingen rasend schnell, wodurch einem jeder Schritt noch langsamer erscheint. Dem Rest der Gruppe schien die Höhe nichts weiter auszumachen, aber wir waren uns einig, dass man hier oben nicht so viel Weizenbier wie sonst verträgt.  Was bei den Preisen (4,50 € der halbe Liter) auch eine angenehme Nebenwirkung ist.

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Gletscherwelt
Eintauchen in eine andere Welt, Gletscherwelt. Leuchtend blaues Eis, mit dunklem Sand besprenkelt. Überall Rinnen und kleine Spalten aus denen Schmelzwasser gurgelt. Hier verschwindet es in einem Loch, dort kommt es wieder an die Oberfläche: klares, kaltes Wasser.

02.07.2007  Wetter: 10°C Nebel, wolkig, zeitweise Regen und ordentlicher Wind

Nach einem rustikalen Frühstück mit leckerem Kaffee wurde bis 10 Uhr die Arbeit mit Karte und Kom-pass durch unseren Bergführer Hubert erläutert. Es wurde eine Route auf den Vorderen und Mittleren Bärenkopf erarbeitet. Wir haben mit dem Marschkompass die Marschzahlen, Entfernungen und die Höhe einzelner Wegpunkte bestimmt. Anschließend wurden noch einmal alle wichtigen  Knoten besprochen und geübt. Dann ging es in ca. 2 h zum vorderen Bärenkopf (3250 m). Stellenweise gingen wir angeseilt über Schnee- und Firnfelder. Der Wind wurde nun so stark, Rufe der Bergkameraden drangen nur noch gedämpft zu mir durch.  Kurz vor einem Grat zum mittleren Bärenkopf mussten wir dann schließlich umkehren. Zu unberechenbar wurde das Wetter. Im Tal der Pasterze standen Wolken und sie werden sich zu uns  heraufschieben. Der Sturm zerfetzt erst die Wolken und führt sie später wieder zusammen - ein beeindruckendes Naturschauspiel.

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Der Abstieg führt uns dann wieder über ein großes Schneefeld. Es gab keine Orientierungspunkte in der Nähe, nur weißer Schnee und die Spur einer anderen Seilschaft. Die Hütte war schon in Sichtweite, aber man läuft und läuft, und sie kommt nicht näher. Schließlich in der Hütte angekommen fängt es draußen auch schon an zu regnen.

03.07.2007 Über Nacht etwas Neuschnee, tagsüber noch  blauer Himmel und Sonne ...

8:15 Uhr Abmarsch zum Hohen Riffl, eine schöne Firnkuppe mit Gipfelkreuz und einem gewaltigen Steilabbruch nach Norden. Zwischen den Wolkenfetzen hat man einen atemberaubenden Tiefblick ins obere Rifflkee und Torkee. Über Nacht gab es reichlich Neuschnee, so dass Spalten  auf dem Hinweg schlecht sichtbar waren. Überall lag nasser Pappschnee. Zwischenzeitlich ist man nur ein paar Zenti-meter eingesunken, aber beim letzten Gipfelaufschwung dann stellenweise doch bis zum Knie. Wir waren in zwei Seilschaften unterwegs. Dirk führte 4 Bergkameraden und Hubert unsere 3er Seilschaft. Als Dirk dann an die erste große Spalte kam, nur mit einem Pickel bewaffnet, war ihm diese dann doch nicht recht geheuer und so lies er Hubert den Vortritt. Alle sind dann ordentlich, aber mit Respekt, über die Spalte gegangen.
Zwischendurch gab es dann noch eine weitere Ausbildungseinheit: »Tote Männer« wurden gegraben und konnten erst mit 5 kräftigen Bergsteigern rausgezogen werden. Auf dem Gipfel des Hohen Riffl schließlich angekommen war es dann noch kälter und stürmischer, da der Gipfelaufschwung ein wenig Windschatten bot. Der Abstieg wurde als Überschreitung entlang  eines Schneekamms realisiert und war recht heikel über vereiste und verschneite Felsstufen, aber wir waren ja noch vom Gletscher angeseilt. Wieder im Windschatten des Gipfels wurde dann erst mal eine Pause mit warmen Tee aus der Thermoskanne gemacht.  Der Rückweg ging dann über eine breite Schneeflanke zurück zur warmen Berghütte.
Tourdaten:  11km 6:22h Gipfel 3338m

a9a8a1004.07.2007 Neuschnee, Nebel, Gewitter während des Tages und  Sturm...

Über Nacht gab es mal wieder reichlich Neuschnee und in der Früh wurden wir vom Gewitterdonner geweckt. Später hörten wir, dass an diesem Tag auf der Großglocknerstrasse Schneekettenpflicht  aufgrund von 30 cm Neuschnee bestand - die Straße wurde sogar zeitweilig gesperrt! Also gab es mal wieder Materialausbildung in der Kärntner Stube. Pickel, Steigeisen, Eisschrauben und was wir noch alles an Ausrüstung auftreiben konnten wurden intensiv diskutiert. 11:00 Uhr ging es dann endlich los in die Bockkarscharte (3038m). a12Beim Abstieg in den Wasserfallwinkel  war erst Carmen Seilführerin, aber das Gelände war ihr äußerst suspekt. So wurde Thomas vorgeschickt und ist auch gleich in einer Spalte bis zur Brust verschwunden. Dies muss wohl weibliche Intuition gewesen sein.  Überall liegt pappiger feuchter Neuschnee, in den man zum Teil bis zum Knie versunken ist. Wind und aufgewirbelte Eiskristalle zwiebelten im Gesicht. Angekommen in der Bockkarscharte oberhalb eines Windkolks wurde ein kleines Lager aufgeschlagen. Erst mal wurde die Spaltenbergung an der Eiswand des Windkolks geübt. Dazu wurden wieder »Tote Männer« gegraben und  alle Bergkameraden haben sich todesmutig den Abhang hinuntergestürzt,  wurden aber anschließend wieder über lose Rollen hinaufgefördert.  Danach  wurden die Steigeisen angelegt und mit Pickeln ging es die Eiswand rauf und runter, sowie kreuz und quer. Schwierigkeiten bereitete nur das  seilfreie einbeinige Abstollen in der 30° steilen Eiswand. Nachdem auch jeder eine Eisschraube gesetzt hatte, wobei mir das Modell Kaffeemühle am Besten gefallen hat, ging es wieder zurück zur warmen Hütte. Dort gab es dann erst mal Obstler und Weizenbier.  Dieser Ausbildungstag im Schneesturm  war schon ein tolles Erlebnis für alle. Leider wird es aber nichts mehr mit dem Gipfelsturm auf den Großglockner. Die Verhältnisse sind einfach zu schlecht und unberechenbar.

05.07.2007 Schnee  und Sturm, mal wieder...

Letzte Nacht war extrem stürmisch. Kalt war es in unserem Zimmer, da der Wind durch alle Ritzen fegte und unser Matratzenlager auf der Luv-Seite der Hütte lag. Wenn man den Flur in Richtung unseres Lagers ging, merkte man mit jedem Schritt, wie es kälter wurde. Mit Unterhosen, langem Pullover, Mütze und 3 Decken hatte ich dann auch endlich Schlaf gefunden. Vom Hüttenwirt wurden dann früh um 5:30 Uhr auch 110 –130 km/h Windgeschwindigkeit gemessen.
Vormittag wurden im Gastraum Flaschenzüge geübt. Einige kannten das ja noch aus der Blaueishütte, wo wir die gleiche Problematik mit dem Wetter hatten. Im Treppenhaus wurde weiterhin auch demons-triert, wie man in die nächste Etage mit einer Kurz- und Langprusik kommt.

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13:00 ging es dann endlich raus in ein Windkolk gleich hinter der Hütte.  Wieder zwiebeln Eiskristalle im Gesicht. Der Wind zerrt an den Klamotten. Schon nach 3 Spaltenbergungen  sind wir  wieder in die warme Hütte zurückgekehrt. Nichts ging mehr draußen.  Zum Teil reichte der Schnee bis fast zur Hüfte; kalt wurden vor allem die Finger, wodurch  jeder Knoten ein Problem war. Verständigung mit den Kameraden war nur durch Anschreien möglich, so stark blies der Sturm. Im Schneegestöber  waren keine Konturen mehr sichtbar – White-Out, kein Horizont, nur noch weißes Nichts in dem man glaubt zu schweben.
In der Hütte gab es dann gleich Tee mit ordentlich Rum, welcher schon ab 18:00 Uhr einen akuten Hüttenkoller bei allen hervorrief, aber eigentlich  war nur die „Dicke Frau“ schuld.

06.07.2007 das Wetter klart auf...

Am letzten Tag ging es noch einmal in das Windkolk hinter der Hütte. Eisklettern und Steigeisengehen im Steileis war angesagt. Als dann bei Einigen die Handschuhe durchnässt waren, machten wir uns alle an den Abstieg. Wie zum Abschied zeigte sich im letzten Firnfeld noch einmal eine große Querspalte, die es zu überwinden galt.  Der Firn ist wohl durch den Neuschnee der letzten Tage in Bewegung gera-ten.
Alles in allem lag eine sehr intensive und beeindruckende Woche hinter uns, auch wenn das eigentliche Highlight gefehlt hatte.  Aber was nicht ist, kann ja noch werden...

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