Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

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„3. Bikertour zum Mittelpunkt der Erde“ am 19. Februar 2005
Verfasser: Volker Roßberg

Im November 2004 nahmen Bekannte an einem Lauf unter Tage, in eben diesem Sondershausener Schacht teil. Sie brachten uns, neben einer Schilderung über ein tolles Lauferlebnis, auch eine Ausschreibung für die Bikertour mit. Nach kurzer Überlegung, inklusive Recherche im Internet, beschlossen wir, Paul und Volker Roßberg, uns für diese Veranstaltung anzumelden.

Ort:                           Brügman – Schacht Sondershausen
Veranstalter:              sc im.puls erfurt e.V
Internet:                     www.erlebnisbergwerk.com

 

Im November 2004 nahmen Bekannte an einem Lauf unter Tage, in eben diesem Sondershausener Schacht teil. Sie brachten uns, neben einer Schilderung über ein tolles Lauferlebnis, auch eine Ausschreibung für die Bikertour mit. Nach kurzer Überlegung, inklusive Recherche im Internet, beschlossen wir, Paul und Volker Roßberg, uns für diese Veranstaltung anzumelden. Da diese aber auf 150 Teilnehmer limitiert ist, hatten wir schon Angst nicht berücksichtigt zu werden. Die Erlösung kam aber Mitte November 2004, in Form einer Postkarte, welche uns über unsere Registrierung als Startnummern 4 und 5 informierte.

Nach fleißigem Training zu Fuß, auf dem Mountainbike oder dem Hometrainer, rückte der Tag unserer Grubeneinfahrt immer näher. Ein wenig Aufgeregtheit wegen des bevorstehenden Wettkampfes konnten wir (leider) nicht verbergen. Am Samstag, dem 19. Februar standen wir dann morgens um 7.00 Uhr auf dem Parkplatz des Erlebnisbergwerkes (Bild 1). Da wir mit die Ersten vor Ort waren, hatten wir erstens zum Umkleiden in der Kaue noch reichlich Auswahl an guten Plätzen (Bild 2) (übrigens eine völlig neue Umkleide - Erfahrung) und zweitens waren wir auch ganz vorn am Förderkorb und somit unter den ersten 10 Wettkämpfern welche in eine Tiefe von 700 Metern hinab befördert wurden.

Unten angekommen, geht es recht angenehm zu (Bild 3. Schon die Temperatur von gut 24 °C ist herrlich. Die trockene salzige Luft (Luftfeuchtigkeitswerte zwischen 20% und 30%) ist aber recht gewöhnungsbedürftig. Wir zogen uns in Ruhe die Rennklamotten an, bastelten die Beleuchtung an die Räder, machten noch eine Fotosession ( Bilder 4,5,6) und staunten schließlich nicht schlechtals die ersten 50 Radler schon zum Start (Bild 7) beordert  wurden. Hier bekamen wir dann mit, dass wir nicht an einem Rennen um Siegerkränze und dergleichen teilnehmen, sondern mehr oder weniger eine RTF unter Tage vor uns haben (es wurde auch gefahren wie bei einer RTF, Einige genießen es, die Meisten aber geben gewaltig Gas…) . Wir hätten die Möglichkeit 3 Runden zu fahren, wobei die erste Runde eine Einführungsrunde mit Führungsfahrzeug wäre, damit jeder Orientierung bekommt und außerdem werde dabei noch Einiges über die Geschichte der Grube und deren Besonderheiten erklärt. Wir staunten nicht schlecht, lächelten aber auch über Sinn oder Unsinn dieser Einführungsrunde.
Das Lächeln verging uns aber schon kurz nach dem Startschuss. Dem unbarmherzig Salzstaub aufwirbelnden Fahrzug hinterher, auf recht glattem Untergrund, welcher meist mit Salzstaub überzogen ist (siehe Bild 4), in doch recht schmalen Gängen, in einem Pulk von 50 Radlern und dann vom Start weg steil bergauf, ließ uns schon bald den Schweiß aus allen Poren rinnen und die erste Erklärungspause herbeisehnen, zu welcher wir die Trinkflaschen schon mal kräftig erleichterten. Und das nach nicht einmal 2 km !

Diese Erklärungspausen waren somit sehr erholsam, aber auch sehr interessant. Außer geologischen Erläuterungen über die Entstehung der Salzablagerungen, deren verschiedene Sorten bzw. Qualitäten, gab es auch einen Exkurs zur Entwicklung der Technologie des Abbaus. 500 km Wege hat man allein in diesem Schacht im Laufe der Jahre gebohrt, das entspricht dem Straßennetz einer Stadt von der Größe Erfurts. Nun ist man dabei diese Wege wieder zu verfüllen, der Salzabbau wird nur in kleinem Rahmen, zur Gewinnung von Streusalz fortgeführt, damit nicht eines Tages alles zusammenbricht und über Tage große Schäden verursacht. Für die Touris, wir sind ja in einem Erlebnisbergwerk, hat man auch einen See angelegt, auf welchem mit Spreewaldkähnen gestakt wird. Der Salzgehalt des Wassers beträgt um die 400 g/l (kein Schreibfehler).
Dagegen ist das Tote Meer mit Süßwasser gefüllt. Aber zurück zur Tour ! Die erste Runde war also wirklich auch nötig um den Kurs kennen zu lernen. Er hatte die Form einer 8, wodurch man natürlich ein Stück mit Gegenverkehr dabei hatte. Diese heikle Kreuzung wurde aber, als einziger Streckenpunkt, von Helfern betreut. Sonst hatte man sich an Absperrbändern, in der teilweise recht schwachen Ausleuchtung zu orientieren. Durch die trockene salzige Luft brannte einem nicht nur der Hals, wir husteten besser als bei einer Erkältung, auch die Augen brannten wie verrückt. Der Kurs an sich ist hammerhart, es geht ständig auf und ab, dabei sind zwei lange Steigungen, eine mit ca. 18% über geschätzte 800m und eine mit 20% über gut und gerne 600m, sowie recht enge, teilweise nach außen abfallende Kurven zu meistern. Das Sahnestück bekommt man nach ca. 8 km serviert, in Form einer Gefällestrecke bis in den Start- / Zielbereich, also fast 3 km. Wir ereichten hier so um die 40 km/h im Topspeed, allerdings mit reichlich Bremserei, da die Angst vor einem Sturz recht groß war und wie wir später an anderen Startern sahen, auch nicht unberechtigt. Der zu bewältigende Höhenunterschied pro Runde soll ungefähr bei 300m gelegen haben, wobei man in Temperaturbereiche um 28 °C hinabgelangt. Die erste Runde ging dann mehr oder weniger ruhig über die Bühne, wobei erste Starter schon Schwierigkeiten hatten zu folgen. Uns ereilte an der zweiten langen Steigung dann das Schicksal, das vor uns mehrere Leute stürzten und wir somit auch vom Rad mussten. Bei der Steilheit war dann nicht mehr dran zu denken, wieder aufs Rad hinaufzukommen, aber eine Schiebepassage kann auch schlauchen. Nach dieser ersten Runde labten wir uns im Start- / Zielbereich ausgiebig an Wasser, Bananen, Orangen und unseren leckeren Riegeln, füllten die leeren Flaschen wieder auf und ab ging es in die zweite, nun eigenständig zu meisternde Runde. Paul ging recht zügig an, hatte aber auf halber Distanz leichte Probleme mit Wadenkrämpfen. Er hatte in der ersten Runde wohl doch ein wenig zuviel an den vielen harten Anstiegen gepowert. Es war uns aber ein Genuss, mit unseren  einfachen Fahrrädern (meins ist 14 Jahre alt, 16 Kilo schwer und hat nicht mal eine Federgabel, Paul hat ein modernes aber normal ausgestattetes Gefährt) Leute zu überholen, welche ihr High End Fully nicht die Steigungen hochbekamen (Bild 8). Es genügt halt nicht, mal 5.000 Euro für so ein Ding locker zu machen, man muss auch pedalieren können und man sollte auch nicht vor dem Start erzählen, was man für ein toller Mountainbike – Hecht ist und dazu einen verächtlichen Blick auf ein Trek 820 werfen. Einige der Sportsfreunde sahen wir zwar auf der langen Abfahrt wieder, da hatten wir technisch keine Chance mitzuhalten, aber es waren nur wenige… In Runde zwei kamen wir, trotz Pauls Waden, gut bis zur 20% Steigung. Ich dachte mir: „Musst Du das in Deinem Alter noch haben ?“, stieg vom Rad und schob hinauf. Paul mit schmerzender Wade tat es mir gleich und nach einem Wasser - Auftanken konnten wir uns in die lange Abfahrt stürzen, an deren Ende Wasser, Saft, Bananen usw. auf uns warteten. Paul trug sich noch kurz mit dem Gedanken es bei zwei Runden zu belassen, war aber schnell davon zu überzeugen, das man wegen 20 km nicht von Peitz nach Sondershausen fährt. So ging es halt noch einmal rein ins Vergnügen.
Auf der ersten langen Steigung sprang Paul zwar nach 2/3 der Strecke, vom Krampf geplagt, vom Rad und schob bis hinauf, ich war deswegen aber nicht böse und tat es ihm nach, denn auch meine Beine waren schon schwer geworden. Fast unglaublich, nach einer solch kurzen Distanz. Vor allem schmerzten die Beine, weil man auf den Steigungen nicht mal aus dem Sattel gehen konnte, denn dann war sofort der Grip weg und das Hinterrad rutschte durch. Kein Fall also für Wiegetritt – Fahrer ! Die zweite Steigung nahmen wir wieder zu Fuß, aber bis dorthin fuhren wir schön und recht zügig durch. Die letzte Abfahrt machte dann auch richtig Spaß (Bild 9), da wir jetzt die gefährlichen Stellen sondiert hatten und somit auch mal richtig Speed geben konnten. Da war es dann fast schon schade, das es nur 3 Runden sein sollten. Im Ziel tankten wir dann wieder richtig auf und lachten uns gegenseitig aus, weil wir so schön eingestaubt waren (Bild 10). Ich hatte ein wunderschönes Muster der Lüftungsschlitze meines Helmes in meiner Haarpracht zu verzeichnen. Bevor wir uns im großen Gedränge der nach uns einfahrenden Sportler wieder fanden, schafften wir es in Ruhe und unbeengt, mit 3 Bergleuten, welche Feierabend hatten, im Förderkorb ans Tageslicht zu gelangen. Es war ein Hochgenuss, sich in der Kaue das viele Salz vom Körper abspülen zu können, wobei das aber nicht 100%-ig gelang. Nach vollbrachter Heimfahrt konnten wir dann als Beweis unserer Leistung das errungene Zertifikat der „weltweit größten Radveranstaltung in einer Tiefe von 700 Metern, wobei die Distanz von höllischen 30 km überwunden wurde“, stolz vorweisen.

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