Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

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m1Alte Liebe rostet
Ein Beitrag von Thomas Kostial

Februar 1996
Ich blinzele in die Sonne und kann mich kaum zum Klettern motivieren. Es ist einfach zu heiß über die Mittagszeit. Zu dritt sitzen wir im südlichsten deutschen Klettergebiet und sehen dem Meer beim Plätschern zu:
Cala Santany, der Ort wo Meer und Fels aufeinandertreffen, liegt am Südzipfel der Ferieninsel Mallorca. Wie viele Sportkletterer Mitte der 90ger Jahre sind wir dem Ruf des einzig wahren Klettermagazins „Rotpunkt“ gefolgt und haben uns auf die kurze Reise über Berlin Tegel nach Palma gemacht.
Preiswerte Pauschalangebote, billige Mietwagen, sonniger Kalkfels mit super Sicherung – was will das Kletterherz mehr mitten in den Winterferien.

Als ausgemachter Wintersportfeind und Kältehasser war ich im Paradies angekommen. Aber dass es im Februar mittags zu heiß zum Klettern sein kann, hätte ich nicht gedacht.
Richtig kalt war es nur die 15 Kilometer auf dem Motorradrücksitz mit zwei halboffenen Cola-Benzinflaschen in den Händen – die Tankanzeige des billigen Mietautos war kaputt und der Sprit war mitten im Gebirge alle.
Also rundherum ein gelungener Urlaub!

 

Februar 1997
Es war nicht schwer, meine Klettermitstreiter Schulli und Matten zu überzeugen. Wir Kostis wohnten in einem runtergekommenen Billighotel bei Palma – unsere Freunde hatten sich mit ihren Familien ein Ferienhaus weit weg in der Pampa gemietet. Trotzdem trafen wir uns immer am richtigen Felsen – und das noch ohne Handy!
Die Winterhitze des vergangenen Jahres hatte sich gelegt und des Öfteren zog es sehr kalt durch die Sektoren. Trotzdem konnte man bei 13°-18°Celsius immer noch gut klettern.
Als Bonus gab es auch viele lustige Begebenheiten:
Die Muppets- Weihnachtsgeschichte auf Spanisch - Si!
Der Bulle der uns den Trampelpfad nach Cala Magraner versperrte.
Der Scheibenreiniger, der in den Kühlwasserstutzen des Autos gefüllt wurde und so täglich für dampfende Belustigung aller Fahrzeuginsassen sorgte.
Also rundherum ein gelungener Urlaub!

April 2000
Nach den Diplomprüfungen habe ich von Hochschule und Familie eine Woche zum Männerkletterlager frei bekommen. Leider sieht die Wettervorhersage für Arco schlecht aus: Regen und Kälte ist angesagt.
Der letzte warme Fluchtpunkt in Europa wird angesteuert. Mit Jens aus Dresden buchen wir einen (unserer Meinung) überteuerten Flug nach Mallorca. Dafür verzichten wir auf ein Hotel. Wir sind ja richtige Männer und können draußen schlafen! Das mit dem draußen Schlafen klappt ganz gut. Unter den Überhängen von Cala Santany ist man sogar vor eventuellem Regen geschützt.
Die Morgenwäsche einschließlich Zähneputzen gerät in den ein- Quadratmeter kleinen Toiletten der mallorquinischen Bars zu ziemlichen Verrenkungen. Dafür gibt es aber guten Espresso zum Aufwachen.
Jens tritt das Gaspedal unseres Ford-K wie ein Besengter, ich diene wegen meiner Ortskenntnis auf dem Beifahrersitz als Routenplaner. Am Ende des Urlaubs hat jeder seine Lieblingstouren gepunktet.
Also rundherum ein gelungener Urlaub!

Oktober 2009
Wir haben ein Woche Herbstferien. In der letzten Oktoberwoche ist es nirgends mehr richtig warm genug zum Klettern! Nirgends? Doch, in einem kleinen Zipfel Europas scheint angeblich immer die Sonne.
Als wir Palma erreichen, strahlt blauer Himmel. Unsere Freunde waren zwei Tage vor uns angekommen und durften noch die stärksten Regenfälle seit Jahrzehnten miterleben, inklusive Wasser im Hotelzimmer. Ein schwacher Trost für sie: Die Unwetter hatten den ganzen Mittelmeerraum überschwemmt.
Eigentlich kenne ich ja nun schon alle wichtigen Klettergebiete auf Mallorca, aber der neue Topo- Führer verspricht tolle Neuentdeckungen.
Teilweise erweisen sich diese Gebiete dann aber als zu klein oder zu schwer oder zusätzlich noch zu rostig. In einigen Gebieten in Meeresnähe kommen die lokalen Kletterer gar nicht mit dem Sanieren der Touren hinterher. Manchmal werden sogar neue Routen nur mit normal verzinkten Bohrhaken ausgerüstet. Diese korrodieren leider im Zeitraffer. So viel Rost, wie diesen Urlaub habe noch nie gesehen.
Trotzdem gibt es wieder 100 Punkte für das tolle Ambiente aller Gebiete. Vor allem am Meer haben wir kaum noch Lust zu klettern sondern hören lieber dem Plätschern der Wellen zu.
Neben dem Klettern bietet das Hotelessen zwei weitere wichtige Höhepunkte des Tages. Das Frühstück besteht für mich aus Unmengen Schinken mit Spiegelei, das Abendbrot meist aus mehreren Fisch- oder Fleischtellern.
Also rundherum ein gelungener Urlaub

Oktober 2010
Als wir frühmorgens Palma mit dem Flieger erreichen, strahlt blauer Himmel. Als wir am Hotel ankommen, ist es bedeckt. Als wir mittags zum Klettern losfahren, regnet es stark. Übermüdet vom zu zeitigen Aufstehen dösen wir bei Regen im Auto weg. Am Nachmittag finden wir noch ein trockenes, überhängendes Klettergebiet. Zur Belohnung verschwindet die Sonne um die Ecke und es wir kalt. Ich darf meine Einklettertouren bei 10°C im Schatten abdrücken, die Routen sind aber so schwer, dass mir ausreichend warm wird.
Zum Glück ist der Regen am nächsten Tag vorbei und die Woche gleitet in ruhiges Spätsommerwetter über. Inselrundfahrten durchs Gebirge wechseln sich mit Klettertagen und Badenachmittagen ab – die Woche geht wie immer zu schnell vorüber.
Den letzten Tag verbringen wir am Meer. Mittags brennt die Sonne beim Klettern, Nachmittag wird am Sandstrand gebadet, Abends gelingt das finale Kletterprojekt zum Glück noch vor der Dämmerung. Kurz danach versinkt die Sonne hinter der Felsenbrücke Es Pontas.
Selbst Miriam stellt fest, dass es so noch eine Weile weiter gehen könnte.
Aber 22:00 Uhr geht der Flieger und Früh um 03:00 Uhr falle ich zu Hause ins Bett und träume von Kalkfels und Meersrauschen.
Also rundherum ein gelungener Urlaub

Kurzinfo Mallorca Klettern
Es gibt ca. 50 Sportklettergebiete auf der Insel. Vom 10-Meter Touren bis zur 150-Meter Wand mit 5 Seillängen ist alles dabei. Vor allem in den Leichtklettergraden 4 bis 6b gibt es eine Unmenge Touren auf der ganzen Insel.
Das schönste Ambiente gibt es in den Gebieten am Meer: Cala Santany, Cala Magraner und Cala Figuera, Dafür ist der Fels dort meistens etwas salzig und sandig und einige Bohrhaken haben sich schon in Rost aufgelöst. Mit genug Umsicht steigt man in diese Touren dann eben nicht ein.
Seit mehreren Jahren grassiert auch das Psicobloc-Fieber auf der Insel. Wie in diversen Videos gesehen, kann man ohne Seil überm Meer klettern. Viel Spaß dabei – ich habe mich nicht getraut.

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Stand 01.01.2017

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