Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

Get Adobe Flash player

Auf der Hohen Tour
Text und Bilder: Matthias Böhlke

Es gibt sie noch, die kleinen Herausforderungen.
Nicht oft, alle paar Jahre und auch nur an wenigen Tagen, wenn es die Schneeverhältnisse zulassen.
Wir haben einen solchen Tag am 11.01.2009 erwischt.
Die Rede ist von der Hohen Tour.
66 km von Altenberg, querfeldein über das Osterzgebirge bis nach Schöna ins Elbsandsteingebirge. Eine Herausforderung an Mensch und Material. Machbar mit Ski wirklich nur bei geschlossener Schneedecke über die gesamte Strecke.

Zu dieser Jahreszeit muss man damit rechnen, von der Dunkelheit überrascht zu werden. Zeitiger Aufbruch, Stirnlampe, sowie gute Kondition und guter Orientierungssinn sind zwingend notwendig. Wir, Cathleen Hecking, Matthias Bölke vom Cottbuser RK Endspurt 09 und Mitglied der Klettergilde KSV Quackensturm sowie Achim und Tillmann Walther vom sächsischen Bergsteigerverein haben uns dieser traumhaften „Quälerei“ gestellt.

 

Los ging´s Sonntag morgen. Aufstehen 4:30 Uhr, Frühstück, 5:30 Uhr Autofahrt nach Dresden Heidenau bei bitterer Kälte. Treffpunkt mit den Bergfreunden aus Dresden auf dem Bahnhof in Heidenau. Bis zur Abfahrt des Zuges um 7:20 Uhr treffen nach und nach noch weiter ausgeschlafene und weniger ausgeschlafene aber durchweg hochmotivierte Gleichgesinnte zum erwachenden Tag ein. Natürlich haben alle dasselbe Ziel: Altenberg. Man braucht gar nicht zu fragen, wie, was, wo, man sieht es an der Ausrüstung, das eine oder andere Gesicht hat man schon mal am Sächsischen Fels beim Klettern getroffen. Auf der einstündigen Fahrt nach Altenberg ist großes Skiwachsen angesagt. Passend natürlich zu den Wetterbedingungen. Bei Ankunft des Zuges um 8:15 Uhr ein herrliches Bild.
Im Westen zieht sich der Mond in seiner vollen Pracht und als riesige Scheibe hinter den Baumspitzen zurück. Zu gleicher Zeit fast gegenüber schiebt sich die Sonne über den Horizont hinaus und verspricht einen wunderschönen Tag. Nach 200 Meter Fußmarsch und 10 Minuten später stehen ca. 60 Skilanglauffreunde an der Strecke. Kein Wettkampf gegeneinander, nur gegen den  eigenen Schweinehund. Jeder wünscht dem Anderen Glück und schon sind die Ersten verschwunden. Durch eine ständig wechselnde Landschaft führt die Strecke (zum Anfang noch geloipt und ab und an ist auch Skaten möglich) über die unwirtlichen Höhen Zinnwalds, Kahleberg 905 Meter hoch und vorbei an den wie Märchenfiguren vom Frost gebeutelten Bäumen auf der Skimagistrale weiter zum Mückentürmchen. Kurze Rast, ein heißer Tee und schon geht es weiter über eine für Langläufer etwas steilere Abfahrt nach Adolfsgrün ( Adolfov, Tschechien ). Bis hierher mussten wir bei herrlichem Sonnenschein und einer spektakulären Aussicht nur mit der klirrenden Kälte von -13 bis -15 Grad kämpfen. Nun kam noch der Nebel dazu und es wurde schlagartig noch ein paar Grad kälter, die Landschaft noch skurieler aber einfach nur schön, so das man die Kälte gar nicht spürte.
Irgendwann erreichten wir das Tschechische Tissa auch bekannt als Klettereldorado. Von den riesigen Felswänden aber leider nicht zu sehen. Der Nebel wurde immer dichter und auch die Orientierung schwieriger. Zum Glück hatten wir Achim dabei, der diese Tour schon öfters gegangen und auch im Sommer mit dem MTB befahren ist, so das wir unser nächstes Ziel die Touristenbaude in Tissa ausgehungert und dehydriert glücklich erreichten. Hier treffen wir einige unserer Mitstreiter von morgens, die sich schon mit einer heißen Knoblauchsuppe stärkten und aufwärmten. Nach dieser Pause geht es weiter am Schneeberg vorbei einem unbeschreiblichen Tagesausklang entgegen. Als Sonnenuntergang würde ich es nicht gerade bezeichnen, da sie nicht zu sehen war. Aber der Himmel, vermischt mit Nebel und Schnee, Farben zwischen violett, lila, rot, blau und die dick verschneiten weißen Bäume. Absoluter Wahnsinn für die Sinne !!! Lange hielt das Schauspiel leider nicht an, bald verschluckte uns die Dunkelheit.
Mit Stirnlampe auf dem Kopf forschten wir weiter nach dem richtigen Weg, tangierten wir den Ort Maxdorf und über einen Waldweg erreichten wir kurz vor Schöna noch einmal eine Kneipe, an der wir ohne Reklame wahrscheinlich vorbei gelaufen wären. Hier stillten wir noch einmal unseren Durst, da mittlerweile die Thermoskannen leer und die Trinkflaschen eingefroren waren. Quer durch kniehohen Schnee ging es dann bei aufklarendem Himmel und aufgehendem Mond am Zirkelstein vorbei in Richtung Schöna. Die letzen paar Meter bergab bis zum Bahnhof mussten wir dann wegen Schneemangel mit den Brettern auf den Schultern zu Fuss bewältigen. Das Timing stimmt, just in diesem Moment fährt der Zug 20:00 Uhr Richtung Heidenau ein. Im Zug ein grosses Hallalie, viele unserer Mitstreiter, die am Morgen mit uns im Zug gesessen haben um die Hohe Tour zu durchmessen, sind wieder zugegen. In den Gesichtern Erschöpfung und einfach nur Freude. Freude über einen schönen Tag. Schokolade, Hasenbrote, einfach alles was noch jeder in seinem Rucksack an Verpflegung hat, wird untereinander aufgeteilt. Dabei macht der eine oder andere Flachmann die Runde. Ich muss mich zurück halten: für mich und Cathleen steht noch eine Autofahrt nach Cottbus an. Gegen 23.00 Uhr fallen wir „tod“ aber glücklich ins Bett.
Matthias Bölke

Aktuelle Mitgliederzahl
Stand 01.01.2017

417

MITGLIED WERDEN

link-zum-dav

 

ksv-auf-facebook

- Angebote - Anfragen -

  • Keine Beiträge vorhanden