Klettersportverein Quackensturm e.V.

Sektion des Deutschen Alpenverein e.V.

Get Adobe Flash player

Riesengebirgsskitour 2010
Ein Bericht von Dirk Wiesner
(mit GPS aufgezeichnet – Auswertung erfolgt am Ende des Berichts!)

Am ersten Märzwochenende war es wieder soweit. 20 unentwegte Skimarathoni’s, um Chrisfried Hartmann herum,  trafen sich zum zehnten Mal an der Smedava (Wittighaus) für die bereits zur Tradition gewordenen Tour zur Luční bouda (Wiesenbaude. – www.lucnibouda.cz)
Die eine Hälfte der Teilnehmer residierten bereits am Freitag in der Bartlowa Bouda in Bílý Potok (www.bartlovabouda.cz) am Fuße des Isergebirges. Übernachtung + Frühstück für 280 Kronen exklusive freundlicher Bedienung und reichhaltigem Abendbrot entpuppte sich als neues Insider Highlight nicht nur in punkto Kost und Logis, sondern vor allem auch in echter Gastfreundschaft.  

Samstag früh  7.00 Uhr wurde gefrühstückt und 20 Minuten später fuhren wir mit den Pkw’s bergauf zur Smedava ca. 5 Km. Am traditionellen Startort angekommen, sollte für alle 7.30 Uhr die Tour beginnen. Aber wie es meist im Leben ist, können Nebensächlichkeiten zur Hauptsache werden. Kurzum die erste Hälfte startete pünktlich 7.30 Uhr und wir konnten mit Verspätung erst 7.55 Uhr die Loipe in Richtung Jizerka anlaufen.

 

Über Jizerka ging es hinab über die Jizera ins polnische Staatsgebiet. Die schnellsten Läufer von uns pausierten kurz in Orle, der Rest fuhr weiter bis nach Jakuszyce. Dort startete an diesem Tag der Bieg Piastow (http://www.bieg-piastow.pl). Eine unfreiwillige Zusammenkunft, wie vor einigen Jahren, mit den Volksläufern wollte vor allem ich vermeiden.  An einem Bierstand trafen wir endlich unsere Freunde, die vor uns von der Smedava gestartet waren.

Nachdem wir uns begrüßten ging es weiter zur nächsten Etappe. Hinauf zum Reifträger waren mir bislang lediglich 2 Wege bekannt. Der eine war der grüne Wanderweg - in Abänderung auf Forstwegen bis zu den Felsen am Babinec - oder über den tschechischen Grenzübergang ca. 300 m abwärts links haltend zu einer gepflegten Loipenspur. Dieser Abschnitt beträgt bis zur Vosecker Baude ca. 14 Km.

Von den Tourenexperten jedoch wurde ein anderer Weg- entlang der Staatsgrenze zwischen Tschechien und Polen - gewählt. Er ist in keiner Wanderkarte ausgewiesen und erfordert entsprechende Orientierung. Über mein GPS- Gerät konnte ich die Route als Track aufzeichnen. Die Überwindung der 400 Höhenmeter zum Reifträger musste so oder so jeder von uns absolvieren. Aber es galt die Kräfte zu schonen, denn der schwerste Teil unserer Tour stand noch bevor. Gegen 12.30 Uhr erreichten wir alle die Vosecker Baude. Dort wurde die erste große Rast eingelegt. Nachdem alle mit Speise und Trank sich versorgten und die erste Hälfte der Tour geschafft war, begann nun der Hardcore- Trail vom Wochenende. Aufwärts zur Schneegrubenbaude, das Hohe Rad südlich umgehend, mussten auf 3 Km Länge 250 Höhenmeter überwunden werden. Bis zur Wossecker Baude war das Wetter noch normal und ruhig. Deshalb wurde auch der Kammweg gewählt. Jedoch an den Schneegruben zog plötzlich Nebel auf und der Wind wurde immer stärker. Unterhalb des Gipfels am Hohen Rad setzten auch noch Schneeschauer ein. Glücklicherweise versperrte mir die schlechte Sicht den Überblick über das Terrain. Trotz meiner bescheidenen Skitechnik konnte ich angstfrei die Abfahrt zum Sattel über Martinovka (Martinsbaude) mit nur einem Sturz meistern. Unten am Sattel neben der dortigen Schutzhütte sammelten wir uns, um gemeinsam gen Osten weiter zu laufen.
An den Männersteinen verdichtete sich zunehmend der Nebel und der Schneesturm wurde stärker. In kurzen Abständen absolvierten wir gemeinsam die weiteren Stationen Mädelsteine und Petersbaude. Auf unserer letzen Raststelle in der Spindlerbaude wurde sich noch einmal aufgewärmt und für das Finale die letzten Kräfte mobilisiert. Wer zusätzliche warme Handschuhe Überziehhosen bzw. –jacken oder Sturmhauben im Gepäck hatte, war nun im Vorteil. Das Wetter hat bereits subpolare Ausmaße angenommen. Die Temperatur lag bei -16°C verbunden mit orkanartigen Stürmen. So stelle ich mir Antarktisexpeditionen vor. Taube Fingerspitzen und schmerzende Wangen im Gesicht durch die Kälte, machten nicht nur mir zu schaffen. Um Gottes Willen worauf habe ich mich eingelassen? Zu Hause in Cottbus fand zu diesem Zeitpunkt einer Geburtstagsparty statt, auf der ich eingeladen war. Warum diese falsche Entscheidung jetzt und hier im Riesengebirge zu sein?

Unsere Gruppe blieb eng beieinander. Über mein GPS wusste ich, dass es von der Spindlerbaude nur noch 6 Km bis zum lang ersehnten Ziel sind. Unterwegs, versunken in pessimistischen Gedanken, hatte ich jegliches Zeit- und Orientierungsgefühl verloren. Natürlich waren die vorhandenen Nebelstangen Orientierung genug. Aber wie weit ist es noch bis zur Wiesenbaude? Plötzlich und unerwartet sagte mir Hardy: „Wiese, das ist der letzte Anstieg!“ Na endlich eine optimistische Botschaft!.

Es dauerte nicht mehr lange und ein großer Schatten tauchte vor mir auf. Die Wiesenbaude ist erreicht! Das Einchecken in die Zimmer kannte ich bisher nur von Hotels. Innerhalb kürzester Zeit saßen wir alle gemeinsam – frisch geduscht - im Gastraum. Nach den Strapazen am Tag schmeckte das Bier besonders gut Na ja für mich wurde es ein bisschen teurer als für die Anderen! Ursache hierfür war die obligatorische Becherovka- Runde für den „Neuling“ in der „Lucni Bouda“.
Da es am nächsten Tag auf gleichem Weg wieder der Heimweg angetreten werden musste, blieb es nur bei einem Becherovka. Am Sonntag erlebten wir einen Wetterwechsel schlechthin. Gestern arktische Stürme – heute Windstille und Kaiserwetter! Ständige Aufnahmen am Tag ersetzten die spärlichen Aussichten vom Vortag. Der Weg von der Sturmhaube hinab zur Spindlerbaude und die Umkurvung (Winterweg) des Hohen Rades flößten mir einen höllischen Respekt ein. Selbst als dreimaliger Teilnehmer am Iserska Padesatka mußte ich mir besonders an diesen Stellen meine unzureichenden Abfahrtstechniken mit den Langläufern eingestehen. Dafür schäme ich aber mich nicht! Jedem Abfahrkünstler auf schmalen Brettern zolle ich hiermit meine höchste Anerkennung!

Nachdem also am Sonntag der höchste Punkt auf der Umrundung des Hohen Rades erreicht wurde, begann nun bis zum Ziel (Smedava) der schönste Teil unserer Riesengebirgstour. „Wiese das ist Wellness pur!“ Mein Kumpel Axel, der mich bislang bis zur Schneegrubenbaude begleitete, bekam nun einen totalen Drive. Aus meinem Sichtfeld durch seine rasante Abfahrt verschwunden, versuchte ich auf Höhe der Veilchenspitze Sichtkontakt mit ihm herzustellen. Vergeblich! Wie sich später heraus stellte war sein Appetit auf ein deftiges Mittagsmahl (in der Vosecker Baude) sehr stark ausgeprägt und er kam somit wahrscheinlich dem gefährlichen Hungerast zuvor. In Sportlerkreisen eine verständliche Erklärung, finde ich.

Aber allein auf dem Riesengebirgskamm blieb ich nicht lange. Kurze Zeit später erreichten mich auf der Höhe des Grenzüberganges zur Vosecker Baude weitere Begleiter. Gemeinsam beschlossen wir, das Riesengebirge ohne Aufenthalt in der Vosecker Baude zu verlassen. Chrisfried und seine Mitsteiter (Sohn, Schwiegertochter in spe sowie Julius)  suchten ihren Spaß in der Abfahrt über den grünen Weg, entlang an Fichten und ausgewaschenen Hohlwegen. Wir mit Schulle, Achim und Arnim fuhren direkt auf den am Vortag gespurten Grenzweg zurück nach Jakuszyce. Langlaufabfahrt auf höchstem Genuss! Seichte Hangneigung, Pulverschnee und ca. 6 Km Länge bis zum Etappenort sind für mich Erinnerungen, die ich so schnell nicht vergessen werde. In Jakuszyce angekommen, merkten wir unweigerlich den Trubel rund um den Bieg Piastow.  Imbissstände gab es zur Genüge. Es war bereits gegen 13.30 Uhr. Seit dem Frühstück in der Wiesenbaude hatte ich keine feste Mahlzeit eingenommen, abgesehen von den Trinkpausen unterwegs. Eine Grillwurst und eine Cola waren für mich genau die richtige Mahlzeit. Der ganze Spaß kostete 5 EURO! Jedoch in Anbetracht der derzeitigen Euro- Schwäche, ist diese inflationäre Entwicklung vermutlich erklärbar. Zeus weiß warum!

Jedenfalls ging es nach kurzer Pause nach Orle. Dort in der Baude war unser nächstes Treffen vereinbart.  So schnell wie sich unsere Gruppe auf dem Riesengebirgskamm aufsplitterte so schnell trafen wir uns alle innerhalb von einer halben Stunde wieder in Orle zusammen.  Die Kraftfahrer tranken hier ihr letztes Bier und die ersten Auswertungen über den schönen Tourenverlauf begannen.
Die letzten 10 Km bis zur Smedava wollte ein Jeder von uns individuell in Angriff nehmen. Besinnlich und gelassen die Einen oder unterhaltsam die Anderen. Für meinen Teil bleibt noch nachzutragen, dass ich diese Tour im vierten Anlauf nun endlich finishen konnte. Darüber bin ich persönlich sehr stolz und freue mich deshalb auf ein Remake im kommenden Jahr.

Die Ergebnisse der Riesengebirgstour habe ich jeweils in einer JPG- Datei (Höhenlinienverlauf über die gesamte Strecke am Samstag) und in einer PDF- Datei (Maximum/ Minimum an Auf- und Abstiegen sowie Pausen- und Fahrzeiten) dokumentiert. Den Streckenverlauf selbst kann man über die KML- Datei auf Google Earth sehr anschaulich betrachten. Dazugehörige Fotoaufnahmen wollte ich mit der KML- Datei verknüpfen. Jedoch ist mir das Vorhaben nicht richtig gelungen. Somit sind die vorhandenen Bilder leider nur manuell anschaubar!
Wiese

- Klcik hier für die Tour als Höhen-Strecken-Diagramm
- Klick hier für die Tour auf Google-Earth
- Klick hier für die Tourstatistik im PDF-Format

Weitere Bilder

Aktuelle Mitgliederzahl
Stand 01.01.2017

417

MITGLIED WERDEN

link-zum-dav

 

ksv-auf-facebook

- Angebote - Anfragen -

  • Keine Beiträge vorhanden